Des einen Freud - des andern Leid

Mit der Gründung des Fasching Clubs im Jahre 1950 kam nebst der eigentlichen Katzenmusik zusätzlich mit der Herausgabe eines Narrenblatts Leben in die Gurtneller Fasnacht. Das Narrenblatt in ihrer ursprünglichen Form kommt aus Deutschland. Als Narrenzeitung, Karnevalszeitung oder Fasnachtszeitung gestaltete man eine humoristische Zeitung zur Fasnachtszeit, welche Ereignisse des vergangenen Jahres aufs Korn nimmt.

Das Narrenblatt humorisierte und kommentierte zur Jahrhundertwende traditionell die Taten und Peinlichkeiten der Obrigkeiten. Aus diesen Gründen gab es immer auch eine Zensur. Seine Komik entfaltet die Narrenzeitung vor allem dadurch, dass man sich über andere Leute, die durch ihre besondere Art und Lebensweise dem Leser bekannt sind, lustig macht. Mit der Zeit wurden im dörflichen Umfeld auch lustige Ereignisse über sogenannt „normale Bürger“, die sich im Dorfgeschehen ergaben, in die Zeitungen aufgenommen. So erschliesst sich der Humor in den Narrenzeitungen aber oftmals nur einheimischen Lesern, welche die versteckten Anspielungen deuten und besser verstehen können.
Herausgeber der Narrenblätter war mit einigen Ausnahmen immer der Fasching-Club. Schon früh hatte der Vorstand gemerkt, dass die Redaktion und Herstellung des Narrenblattes von Aussenstehenden, dem Vorstand aber wohlgesinnten Helfern, übernommen werden sollte. Für die Vorstandsarbeit und das Organisieren der Fasnacht beanspruchte man schon Zeit genug. Dies hat sich bis heute nicht grundlegend geändert.

In Gurtnellen gab das Narrenblatt bisher bei jeder Ausgabe reichlich Gesprächstoff. Es kam ein paar Mal sogar vor, dass die Herausgabe wegen angedrohten Ehrverletzungsklagen allzu empfindlicher Personen eingestellt werden musste. So musste vor Jahren sogar einmal der damalige Präsident zum Rapport ins Frauenkloster Menzingen antraben. Die Lehrschwestern von Gurtnellen wurden an der Fasnacht etwas durch den Kakao gezogen, was sich bis ins Zugerland herumsprach. Diese Sachlage konnte dann aber gütlich bereinigt werden und in Gurtnellen wusste man von da an, dass Nonnen nicht ans Fasnachtsgeschehen gehören. Was auch immer sie „gebosget“ hatten. An die Bosheiten der Gurtneller Bürger heran zu kommen erweist sich auch heute nicht immer als einfach. Die Idee, dass das man mit Briefkästen in den Restaurants und in der Post an Hinweise gelangt, wurde nach einigen Jahren aufgegeben. Über Umwege und Indiskretionen erfährt man vieles, aber leider nicht alles. Sprüche am Schmutzigen Donnerstag wie:.“ Warum habt ihr den vergessen?“ oder „Warum ist der nicht drin?“ sind leider keine Seltenheit.

„Dicki Luft“ und „Dinni Luft“

In all den 60 Jahren hat sich das Narrenblatt mit verschiedenen Titeln und Aufmachern die Käuferschaft gesucht. In den Anfangsjahren bis in die 70er- Jahre war es schlicht und einfach die Gurtnäller Fasnachtsbrattig. 1978 veränderte die Redaktion mit einer Neugestaltung nicht nur das Aussehen, sondern auch gleich den Namen. Aus der Fasnachtsbrattig wurde das „Gurtnäller Narräblatt“. Ein Jahr später wurde am Gidelmontag erstmals ein zweites Narrenblatt „Der Schleckstengel“ veröffentlicht. 1983 wurde das Gurtneller Narrenblatt mit dem Titel „Dicki Luft“ am Schmutzigen Donnerstag herausgegeben. Die Agentur Havas konterte mit einem Konkurrenzprodukt am Gidelmontag, das sich ironischerweise „Dinni Luft“ nannte. Die Ausgaben am zweiten Fasnachtstag erfreuten jeweils die Leute in den Gurtneller Beizen. Was im Narrenblatt des Fasching-Clubs vergessen ging, stand garantiert in den wilden Blättern.

Blöck—der kleine Bruder vom Blick

Für die Fasnacht 1994 wurde das Erscheinungsbild abermals geändert. Aus dem Gurtnäller Narräblatt wurde der „Blöck“. Am Inhalt änderte sich in den ersten Jahren des Namenwechsels nicht viel. An der Fasnacht 2003 machte am Gidelmontag gar ein Extra-Blöck die Runde. Die Ereignisse rund um das Restaurant Bahnhof erwiesen sich als Vorlage für eine weitere Erneuerung.

Wurden in den vergangenen Jahren die Missetaten der Bürger in Mundart oder Deutsch gedichtet, waren sind im „Blöck“ neu auch Texte und Geschichten. Geklaut wurde für einmal beim grossen Bruder des „Blöck“ ,nämlich dem Blick. Mit dem Aufmacher: „Ich hatte Todesangst wegen einem Schnupf“ wurde erstmals eine Geschichte im Boulevard-Stil verarbeitet. Gleichzeitig wurde in der neuen Sparte „Über den Gartenhag geschaut“ von Fehltritten aus den Nachbargemeinden berichtet. So konnte man mit Verkäuferteams, welche in den Anrainergemeinden das Narrenblatt verkauften, mehr Absatz und dadurch mehr Gewinn machen. Technisch hat sich in den vergangenen 60 Jahren einiges verändert. Wo früher mit Schreibmaschine und Schere gearbeitet wurde, hat heute der Computer die Arbeit übernommen.