Gründung der zweiten Guggenmusik im Kanton Uri

Eingefleischte und eher jüngere Fasnächtler wollten sich mit der immer wiederkehrenden Melodie und dem eintönigen Rhythmus der Katzenmusik nicht zufrieden geben. 1973 wurde in Erstfeld von ein paar fasnächtlichen Idealisten offiziell die «Kröntä Guggä» gegründet. Die Begeisterungswelle für die Guggenmusik schlug weiter das Reusstal hinauf. Am 26. November 1977 orientierte Initiant Philipp Sicher den damaligen Vorstand an der GV des Fasching Clubs Gurtnellen, dass er zusammen mit Gleichgesinnten eine Guggenmusik gründen möchte. Dazu benötigten die Fasnächtler einen Teil der Instrumente. Die Gründung einer Guggenmusik wurde an der GV erlaubt und ihr wurde bei einem Überleben bis zur Narrenzeit auch ein Zeitraum für Auftritte zwischen den Katzenmusikkonzerten gewährt.

Repertoire in nur 5 Proben einstudiert

Der zuerst kleine Haufen Angefressener wehrte sich anfänglich gegen eine Vereinsgründung. Dies wurden aber nach den ersten grossen Auftritten 1978 am legendären Jägerball in Gurtnellen und später in Andermatt, nicht zuletzt bedingt durch die Tatsache einer vollen Kasse , notwendig. Die rund 20 Angefressenen übten ihr Repertoire damals in fünf Proben ein. Im Gründungsjahr waren es auch gleich viele Auftritte, verteilt auf die Fasnachtswoche.

Steigende Anzahl Auftritte

In der Folge wuchs nicht nur die Zahl der Mitglieder, sondern auch jene der Auftritte ausserhalb Gurtnellens, ständig an: 1980 traten die „Smürfer“ am Maskenball in Bürglen auf, 1981 nahmen sie zum ersten Mal am Umzug in Schattdorf teil. Ein Jahr später wurde die Fasnacht durch Beteiligung am Umzug von Airolo, der nach Aschermittwoch stattfindet, verlängert. Bei all diesen Anlässen konnten Kontakte zu „Guggenmusigen“ und Fasnachtsvereinen geknüpft werden und Einladungen, wie etwa 1983 nach Lachen und Schattdorf und 1986 nach Bürglen, Flüelen und Beckenried, waren die Folge davon.Auftritte über die LandesgrenzeHöhepunkte bildeten Auftritte in Frankreich: 1985 in Metz und 1986 in Germigny Orleans. So sind seit 1977 im 800-Seelen-Dorf Gurtnellen in der Fasnachtszeit neben der traditionellen Katzenmusik auch die schrägen Töne und wilden Rhythmen der Smürfer zu hören.NamensfindungWarum heisst die Guggenmusik in Gurtnellen eigentlich „Smürfer"? Ganz einfach, das heisst Schlumpf – und zwar auf holländisch.Smürfer hat nichts mit „surfen" zu tun, und wer auf eine Abwandlung von "Süfer" tippt, weist sich zwar als Kenner der Guggenmusiken und ihrer Sitten und Bräuche aus, liegt aber trotzdem daneben.

Bis zu 60 Mitglieder

Seit den Anfangstagen hat sich der Charakter der Guggenmusik stark verändert: Aus dem kleinen Haufen Angefressener wurde mit der Zeit eine Formation von bis zu 60 Mitgliedern. Aus einer reinen Dorfguggenmusik ist eine Truppe geworden, die sich heute aus Mitgliedern aus dem ganzen Kanton Uri zusammensetzt. Am Anfang gingen viele ausserhalb Gurtnellens ihrer Arbeit nach und kamen fast jedes Wochenende für die Proben nach Gurtnellen zurück. So bleiben auch wichtige Kontakte erhalten. Seit Beginn der „Smürfer“ entwerfen die „Gugger“ ihre Kostüme und Kopfbedeckungen selber. Vor allem die Kopfbedeckungen und der „Grind“ des musikalischen Leiters sind in der Geschichte des Vereins wohl ein Kapitel für sich, bereiten sie doch regelmässig Kopfzerbrechen. 1980 steckten die „Smür-fer“ mit ihrem „Guggäfieber“ auch die ganzen Jungen in Gurtnellen an. Die Schüler-Guggenmusik mit dem Namen „Klepper-Trämpers“ wurde gegründet. Die „Klepper-Trämpers“ wurden 1984 auf einen Schlag an einer historischen GV bei den „Smürfern“ aufgenommen. Diese erste Fusion löste so ziemlich alle Probleme und erwies sich in jeder Beziehung als Glücksfall.

Smürferball - der grosse Erfolg

Am 11. November 1988 wurde in Gurtnellen die Fasnacht mit dem Smürfer-Ball regelrecht eingeläutet. Dieser Ball hat sich in all den Jahren einen hervorragenden Namen gemacht und war zu Spitzenzeiten in der Regel bereits Tage davor ausverkauft.Ein Jahr später, nämlich 1989, brachten die „Smürfer“, notabene als zweite Guggenmusik der Schweiz, eine CD auf den Markt. In den Jahren danach wurden weitere drei CD’s produziert. Anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums des Vereins wurde sogar ein Buch samt beiliegender CD über alle Guggenmusiken im Kanton Uri herausgegeben.

36 Stunden Nonstop – zum 20. Geburtstag

Die Organisation von Festen hat sich bei den Smürfern zur Tradition entwickelt. Auch bei einem Jubiläum ist es üblich den Besuchern immer etwas Spezielles zu bieten. So wie an der Fasnacht 1996, wo man das 20-Jahr-Jubiläum wieder mit einem Riesenfest feierte. „36 Stunden Nonstop“ – unter diesem Motto waren ganz Gurtnellen sowie eine riesige Festgemeinde aus dem Urnerland auf den Beinen. Leider nutzten etliche Mitglieder dieses Jubiläum, um Abschied vom Verein zu nehmen. So schrumpfte der einst stolze Verein von Jahr zu Jahr. Der Mangel an Nachwuchs führte 1999 zur Fusion mit den Spätzindern aus Göschenen. Diese Zusammenarbeit erwies sich in jeder Beziehung als Glücksfall. Gleich angefressene Fasnächtler brachten frischen Wind und frische Ideen in den Verein. Auf eine gute Fasnacht in der Besetzung mit fast 60 Mitgliedern folgten die neu formierten Smürfer-Spätzinder einer Einladung in das verschneite Kitzbühel um Stimmung im bekannten Skiort zu machen. Im 2001 sollte sich schon wieder eine Neuerung durchsetzen. Die Turmgeister Hospental gastieren nach einem Jahr Spiel mit den Kalazer Schränzern aus Andermatt in Gurtnellen. Sie waren so begeistert vom Sound und der Chemie innerhalb des Vereins, dass sie an der GV 2002 ganz bei uns beitraten.

Carnevale a Venezia

Die Gladiatoren der Guggenmusik Smürfer/Spätzinder genossen im Jahre 2006 und 2008 jeweils während drei Tagen die italienische Gastfreundschaft. Die Urner Gugger bedankten sich dafür auf ihre Weise mit fetziger Guggenmusik. Krönung für die Guggä war ein Abstecher zum Carneval von Venedig und Umzüge in Bassano del Grappa. Höhepunkt für die Smürfer/Spätzinder war ein Abstecher zum Carneval von Venedig, wo über 70‘000 Leute die Plätze, Treppen und engen Gassen bevölkerten. Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war dann das 20-minütige Konzert auf der grossen Carneval-Bühne auf dem Markusplatz vor über 30‘000 Leuten.Es sind aber nicht nur die Aktivitäten während der Fasnacht, die dafür sorgen, dass die „Smürfer/Spätzinder“ weit mehr als nur eine reine Guggenmusik sind. Für die Guggenmusik ist es eine Tradition jedes Jahr die letzte Probe im Rahmen eines Neujahreskonzerts im Freien für die Bevölkerung zu veranstalten. Sollten die Klänge der Smürfer-Spätzinder für die Wintervertreibung nicht reichen, können sich alle beim Fondueessen wieder aufwärmen und sich auf die kommende Fasnachtssaison anstossen. Gemäss Augenzeugenberichten soll es sogar mal zu einem „Strip-Poker“ bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gekommen sein. Dass die Guggenmusik auch für neue Sachen offen ist, zeigt die Teilnahme am kantonalen Musiktag 2005 als man die Musikgesellschaft mit einer Rhythmusgruppe verstärkte.Seit der Gründung im Jahre 1977 sind in Gurtnellen viele Konfettis gefallen, diverse Paukenfelle geborsten, etliche Trommelstöcke zersplittert und Lippen der Bläser gesprungen. Der Charakter der „Smürfer“ hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Aus dem kleinen Haufen Angefressener wurde über die Jahre hinweg eine moderne Guggenmusik mit heute rund 50 Mitgliedern, nicht nur aus Gurtnellen wie in der Anfangszeit, sondern eine verschworene Truppe aus vielen Gemeinden des Urnerlands.